
Im Wizemann
Ami Warning
Auf ihrem neuen Album "Wellen" verarbeitet AMI WARNING die Geburt ihres Kindes sowie den Tod ihres Vaters. Am 19. März stellt die Münchnerin ihr Werk im Im Wizemann in Stuttgart vor.
Finger tänzeln taktvoll auf Basssaiten, ein verheißungsvolles Stampfen, dazu AMI WARNINGs geruhsam-sonore, unverwechselbar warme Stimme: "Wir kommen spontan, ham’ uns nicht geschrieben". Die erste Zeile des neuen Albums der Münchnerin steht bildhaft für ihren schwerelos anmutenden, minimalistischen Soul; ihre Sensibilität, ihren mobilisierenden, sonnendurchstrahlten Flow; ihre grundpositive, mutige DIY-und Macherinnen-Attitüde. "Wellen", so der Titel von AMI WARNINGs neuer LP, atmet Freiheitsgefühl, Cozyness und Bedächtigkeit. Es beschreibt in dreizehn Akten eine nachspürbare Sehnsucht nach dem perfekten Moment. Und es handelt vom Kreislauf des Lebens, vom Kindsein und Altwerden, von Prägung und Kontinuitäten. Auch von tiefen zwischenmenschlichen Verbindungen und dem Nachhause-Kommen; von Türen, die auf- und Türen, die zugehen; eben von Wellen, die kommen und gehen - die es zu parieren und umarmen gilt, auch wenn sie einen zu überwältigen drohen.
"Wellen" ist in seiner Gesamtheit nicht ohne die maximal extremen Monate in AMI WARNINGs Leben zu verstehen, in der ein Großteil der Album-Songs entstanden ist. Anfang 2025 ist sie erstmals schwanger geworden, noch im Sommer stand sie mit ihrem Vater - dem Sänger, Songschreiber und Multi-Instrumentalisten Wally Warning - auf Bühnen. Wenige Tage nach ihrer letzten gemeinsamen Show und gerade als Amis Bauch dicker und dicker wurde, erschütterte dann eine schwere Krebst-Diagnose das Leben ihres Vaters. Wally Warning starb am 19. September 2025 und verpasste seine Enkeltochter um knappe zwei Monate - "im echten Leben scheint es oft kein happy End zu geben". Es ist wenig verwunderlich, dass gelöster Enthusiasmus und bedächtige Wehmut, "Bilderbuch-Wetter" und "Krankenhausbetten" auf "Wellen" nah beieinander liegen. Zwischen sinnlichen Gitarren-Chords und sanften Chören versprüht dieses Album eine Melancholie, die sich zwar stets federleicht und warm anfühlt, in ihrer Stoßrichtung aber durchaus variiert.
Ihre herzgesteuert-organische, durch und durch anti-mathematische Art, Musik zu machen und melodische Arrangements mit Pop-, Reggae-, Indie- sowie Latin-Flavour zu erspielen, hat AMI WARNING jedoch nicht abgelegt. Wie immer hat sie fast alle Songs auf "Wellen" zuhause an der Gitarre selbst komponiert.