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Thees Uhlmann

Tour 2019

Gast: Grillmaster Flash

Das dritte Solo-Album von THEES UHLMANN „Junkies & Scientologen“ ist ein Positionslicht, das es möglich macht, auch den eigenen Standort wieder näher zu bestimmen. Das Gründungsmitglied von Tomte präsentiert sein neuestes Werk am 13. Dezember im LKA/Longhorn in Stuttgart-Wangen.

Auch außerhalb des HipHop sollte eine Platte mit einer Ansage öffnen. Also so Richtung: „Wer bin ich!“, „Wo war ich!“ oder „Ey, wie sehr knallen meine neuen Songs alle Platzhalter-Künstler, die sich von hinten an den Thron geschlichen haben, weg!“ Alles mit Ausrufe- statt Fragezeichen, versteht sich. Der Opener von THEES UHLMANNs dritter Solo-Platte ist eine solche Zustandsbeschreibung. Er sagt, was Sache ist. Und zwar: „Fünf Jahre nicht gesungen“.

Man findet auf „Junkies & Scientologen“ keinen Rock’n’Roll, der sich passgenau ins Instagram-Gegenlicht stellt, man begegnet eher der Frage, was eigentlich noch übrig ist von unserer Indie-Kuschelszene. Schon der Titel „Junkies & Scientologen“ liefert die Antithese zu einst spröder Solo-Schlichtheit. Und der titelgebende Song führt durch Reihen von Menschen, mit denen man sich die Stadt - und damit auch ein großes Stück Leben teilt. THEES UHLMANN schreitet aber hier nicht nur sein eigenes Viertel ab. Denn Planet Kreuzberg, Metropole oder Provinzkaff – so viel Unterschied macht es gar nicht. Hinter den Fenstern, auf den Straßen sehen wir ihn plötzlich wirklich, den rastlosen Flashmob irgendwie rührender Typen, Junkies, Scientologen, müde Krankenschwestern, Schornsteinfeger im Pech, die letzten Punks.

Einige der Songs besitzen ganz reale Adressaten in der wirklichen Welt, „Danke für die Angst“ erzählt von Stephen King und vom Kleinstadthorror, dem trivialen wie dem kreatürlichen. Auch für Katy Perry hat diese Platte etwas übrig, wenn sie singt „Katy Perry, spüre Deinen Schmerz und komm‘ zum GHVC!“ Was eine Line das alleine ist – und wie geil G.H.V.C. klingt, wenn man es in Buchstaben spricht. Womit übrigens das Label Grand Hotel Van Cleef gemeint ist. Doch dieses Album kann immer noch tiefer gehen. In „Avicii“ wird der verstorbene schwedische Techno-Producer angesprochen und ihm ein A-Moll für ein F-Dur gereicht, alles Gute kommt von oben. Ein Upbeat-Stück zu dem man heulen muss, wo gibt’s denn sowas?

Die Musik kann man in diesem pointierten Emo-Spektakel ohnehin nicht genug highlighten: Zügig, dringlich, manchmal aber auch ganz zart getragen nur von einem Klavier, einer Melodie. Beim Opener kann man sogar kurz an Foreigner denken, an „Cold As Ice“. Das soll aber keine falschen Fährten legen, das hier ist kein Classic Hard Rock, keine Postkarte ins Gestern – im Gegenteil. Dieses Album zeichnet einen Raum im Jetzt nach. THEES UHLMANN macht mit Kreide ein Kreuz auf den Boden. Damit wir uns alle wiederfinden. Dazu singt er „Du hattest einen Plan vom Leben / ich hatte Fury in the Slaughterhouse“.

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