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Roosevelt

Gast: Josin

Der Guardian lobt ihn, Pitchfork liebt ihn, Hypemachine hypt ihn und die beste Electro Pop Band nach den Pet Shop Boys (Hot Chip) haben ihn sogar auf ihrem Label Greco-Roman unter Vertrag genommen. So richtig wusste ROOSEVELT (im richtigen Leben Marius Lauber, 25 Jahre alt) nicht, ob er seine Disco House Tracks, die er eigentlich eher so aus Spaß ins Netz stellte, wirklich kommerziell rausbringen will. An eine Karriere dachte er sowieso nicht. Inzwischen haben seine genialen Club Pop Hymnen wie „Sea“, „Hold On“ und „Night Moves“ über zehn Millionen Plays auf Spotify, Youtube, Soundcloud etc. zusammengesammelt und ROOSEVELT hat sich ohne Album und ohne große Presse und Marketingmaschine als einer der vielversprechendsten neuen deutschen Acts etabliert. Einer der wenigen mit internationalem Format ohnehin.

„The German producer whose listless disco could be from Manchester, LA, Ontario, even outer space." The Guardian

Am 19. August erscheint endlich das selbstbetitelte Debütalbum und in großer Pop Tradition ist er auch noch vorne drauf zu sehen. Wir finden das gehört sich so, das war bei Prince und Bowie ja auch nicht anders. Dieses erstaunliche Debüt bietet viele hyperbewegliche sowie vorwärts drängelnde, dabei paradoxerweise trotzdem tiefenentspannte Popsongs an, die bei aller Euphorie immer auch ein Hauch von Melancholie umweht, ohne aber jemals in Wehleidigkeit zu verfallen. Ein kluges, informiertes Album, das Kraft aus der Vergangenheit schöpft und auf den Schultern von Giganten den Blick nach vorne wagt. Ein mitreißendes, elektronisches Popwunder, das sich von dem Club Sound seiner frühen Tage emanzipiert und fernab von gängigen Sounds und Trends ein ganz eigenes Popuniversum geschaffen hat. Über den Zeitraum von zwei Jahren hat Marius alles selber geschrieben, aufgenommen und
produziert, abgemischt wurde es von Chris Coady (Future Islands / Beach House / TV On The Radio).

Es hat uns erst mal ein wenig sprachlos gemacht, wie ein einzelner Musiker in so jungen Jahren schon so ungemein abgeklärt produzieren und so inspiriert arrangieren kann. Wie kann einer so jung sein und schon so treffend und geschmackssicher wissen, wann man einen Song am besten „aufmacht" und wann man ihn besser „zulässt"?  „Fever“ zum Beispiel ist so simpel, glasklar und voller Emotionen und Leidenschaft, das muss man nicht nur können, das muss man sich erst einmal trauen. Die berühmte große Geste wirkt ja meistens eher nur bemüht, aber auf diesem Album stimmt einfach alles. Es glitzert und glamt auf der richtigen Seite der Siebziger (Westcoast!) und der Achtziger (England!) und das alles ohne in Nostalgie zu verfallen denn zusammengehalten wird alles von hochmodernen Rhythmus-Gerüsten. Es ist tatsächlich auch aufgebaut wie ein DJ Set, die Jahre als jüngster Resident DJ bei Kölns einzig guter Techno Party "Total Confusion" haben ihre Spuren hinterlassen. Dabei feiert ROOSEVELTs rauschender Disco-Pop ausnahmsweise mal nicht dem neverending Exzess des Clubs, sondern lässt seiner Bewunderung für klassischen Pop Eskapismus freien Lauf.

“Merging warm beats, hypnotic psychedelia, and streamlined pop songwriting, ROOSEVELT makes dance music that balances outright escapism with wistful melancholy.” Pitchfork

Marius Lauber will den Pop nicht retten, das wird dieses Album aber dieses Jahr unweigerlich tun, ob er will oder nicht. ROOSEVELT schafft in bester Tradition eine wunderbare 47 Minuten Karenz aus maximaler Wonne mit einer Prise Schwermut. „Dancing helps relieve the pain, soothes your mind,  makes you happy again,“ meinten schon Chic in ihrem Hit „Everybody Dance“ und in dieser Maxime hat sich auch ROOSEVELT verschrieben und am Ende ist es doch eine
verklausulierte „Coming Of Age“ Geschichte, denn letztendlich geht es bei allen großen Pop Alben doch immer um viel mehr als nur die oberflächliche Realitätsflucht.

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