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Gabby Young

Journalisten, die ein Konzert von GABBY YOUNG & OTHER ANIMALS beschreiben sollen, haben es nicht leicht. Wie beschreibt man den Geschmack eines frisch vom Baum gepflückten Apfels? Oder den Klang der Stille vor einem hereinbrechenden Wirbelsturm? Den Duft eines Veilchens, das im November erblüht? Genau. Zwecklos. Man muss den Apfel gegessen, den Sturm erlebt, an dem Veilchen geschnuppert haben. Genau so ist es mit den Konzerten dieser wilden Tierbande.

Der eine beschreibt Gabby Young als eine auf dem Vulkan tanzende Prinzessin, der nächste als Bonbon bunte Pipi Langstrumpf, die die Welt klingen lässt, wie es ihr gefällt; der eine beginnt seinen Artikel mit „Was war das denn?“, der andere schließt mit „Mehr davon, jetzt, sofort!“.

Aber der Reihe nach. Wann waren Sie zum letzten Mal auf einem Konzert, bei dem nicht 2/3 der Zuhörer das Geschehen auf ihrem smartphone verfolgten? Nicht, das bei Gabby keiner eins dabei hätte. Aber spätestens beim dritte Lied stecken die Dinger in den Taschen weil man seine Hände, Füße und auch den ganzen Kopf anderweitig braucht. Da wird nicht von der Bühne herab abgefüttert, da entsteht aus der Zusammenarbeit einer furios aufspielenden Band, eines inspirierten Publikums und einer begnadeten Frontfrau, die jedes Wort, das sie sagt, auch genau so meint, ein Gesamtkunstwerk. Und jeder geht mit dem Gefühl nach Hause, Teil eines magischen Abends gewesen zu sein.

Die Musik?  „Circus Swing“ nennt Gabby das, wenn Sie sich darunter was vorstellen können. Bunt, theatralisch, mal tierisch laut, mal zart und leise, hier grüßt der Balkan, dort die Mariachis und um die Ecke lugt  noch mal ein Spaghetti Western. Die Violine duelliert sich mit der Trompete, die Tuba verfolgt das Banjo und manchmal lassen einfach alle alles liegen und werden zum Ukulele Orchester oder dreschen gemeinsam auf das Schlagzeug ein. Nix fürs Formatradio ...

Das neue Album  wird Ende März 2014 erscheinen.  Da tuten Nebelhörner vorbeiziehender Schiffe, eine launige Begräbnisband in New Orleans freut sich darüber, dass sie sich verbessert hat, der Teufel lehrt Fellini das fürchten und ein Spatz lernt fliegen. Fehlt eigentlich nur noch, das Hollywood die entsprechenden Filme zu diesen soundtracks liefert. Dann kann der Frühling auch im Dezember kommen.

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