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U3000 & Golf

Warum eine, wenn man auch zwei haben kann? – jeder von uns kennt diesen Gedanken - manche machen’s einfach, andere lassen es. Warum eine  ungooglebare Band, wenn man auch zwei davon haben kann? Die Kölner Gruppe GOLF und die Berliner Band U3000 machen’s, und das nicht „irgendwie so“ – nein, sie zelebrieren es!
Während U3000 bereits ihr Debütalbum „Wir haben euch belogen“ im Oktober letzten Jahres veröffentlicht haben, sucht die Gruppe GOLF gerade nach dem „Playa Holz“ – zwei gute Gründe, um (unter anderem) in Stuttgart Halt zu machen. Speeddating, Flatrate- und Schaumpartys waren gestern – heute nimmt man zwei – auf neudeutsch auch „Happening“ genannt – the turn up is real – #naklar. Also Mädchen (und Jungs), tanzt mit uns, habt eine gute Zeit zu Zweit und packt die iPhones ein – nicht, dass es heißt, wir hätten euch belogen.

GOLF

Gitarre, Gesang, Bass, Schlagzeug, Elektronik. Wie lässig, wie smart, wie tanzbar das abgeht. Erstaunlich souverän für eine Band, die erst seit Sommer 2014 besteht. Doch es ist schon viel passiert seitdem: Showcase-Gigs für die größten Plattenfirmen genau wie ein gefeiertes Konzert bei dem renommierten c/o-Pop-Festival oder auch Studioaufnahmen mit Thomas Hessler von Die Fotos. Die Legende besagt überdies, der bekannte DJ und Ex-Spex-Redakteur Tobias Thomas habe die Jungs “aus Essen rausgetragen”. Der ewige Dank von Köln sei ihm gewiss, schließlich befindet sich dort nun das Hauptquartier der Band mit dem irritierend simplen und äußerst geschmeidigen Namen.
“First we called our band ʻVarious Artistsʼ – just to fuck up people with iPods” – hieß es mal in einer kongenialen britischen Sitcom. Ganz so schlimm ist es bei GOLF allerdings nicht: ”Wir finden es einfach komisch, dass man Bandnamen nur noch in Google denken darf”, lässt man über den Move verlauten, sich dermaßen aufreizend suchmaschinen-unoptimiert zu betiteln. Hey, fresher Ansatz. Wobei so ganz neu stellt sich die Vierer-Konstellation gar nicht dar, schon vorher hat man zusammengespielt. Allerdings unter anderem Namen, in einer anderen Zeit, einer anderen Welt. Diese Vertrautheit kann man sofort hören, wenn man reingeht in den Sound – denn trotz aller juvenilen Power klingt GOLF auch nach einer alten Seele. Die Referenzen, die der Band dabei gern mal im Kopf rumgehen, unterstreichen das: Palais Schaumburg, Grauzone, Whitest Boy Alive, Michael Jackson zum Beispiel.
GOLF sind keine Band des angeschwipsten Zufalls, Jonathan, Wolfgang, Nils und André folgen zwar nach eigener Aussage keinem “Megakonzept” haben aber einen Plan. In ihren Youtube-Clips tauchen sie selbst nicht auf, es geht darum, Verwirrung stiften, nicht festlegbar zu sein. Fabian, der die Visuals besorgt, überträgt die Spannung der Musik in Bilder. Alles bei GOLF wirkt gleichsam kühl wie umarmend, Sound hat eine große Bedeutung, man hört mitunter (fast ohne es zu merken) Müslischüsseln, Schlüsselbunde, Partytröten, Pfannen und Kleingeld. Alles kann zum Klingen gebracht werden, alles steht im Diensten eines eigenen Sounds. Gesungen wird deutsch. Doch statt Bekenntniseifer bieten die
Texte Mehrdeutigkeiten. Willkommen in Assoziationsräumen statt im schrecklich unsubtilen Ansagenknast. Was hat die Zeile “Tanz, als ob du nichts wert bist” zu bedeuten, welches Grün ist mit “Dein Grün” eigentlich gemeint? GOLF werden es einem nicht sagen. Doch diese Musik macht Bock, es für sich selbst herauszufinden.

U3000

Was macht man, wenn man sein Studium an der Kunsthochschule abgebrochen hat? Eine Band gründen! Klar, dass diese dann einen extravaganten Namen braucht, den keiner versteht und dass diese Band sich im Internet erstmal rar und überhaupt einen auf Unauffindbar macht. Aber dann tauchen da Songs auf, die sich aufs Eleganteste und Schamloseste den Mitteln des Pop bedienen, die man sich sogar wirklich gut anhören kann: „Ich werd mich nie gegen Liebe wehrn!“, Zeilen, die so universell erscheinen, dass man sich wundert, dass sie vorher noch nicht da waren.
„It`s the singer, not the song!“ sang Mick Jagger einst und das wissen U3000: dass ihr lakonischer, trotziger Doppelgesang sie von der Pflicht entbindet, irgendetwas sprachlich genau auf den Punkt zu bringen, was im Deutschen ohnehin nervt: Nein! Die Attitüde macht's! Das Wunder geschieht im norddeutschen Niemandsland. In Hannover treffen sich Mika Amsterdam, Hannes Wesendonk, Nathan Juno und Anska Rot und haben in diesem kulturellen Vakuum schnell ihren eigenen Sound gefunden. Den Sound einer gnadenlosen Liveband ohne Rockallüren, aber mit den hippen Synthies der Neunziger und der lässigen let-go-Haltung von Gruppen wie Blur oder Franz Ferdinand in den Nullerjahren, als melodiöser Indie noch musikalische Königsdisziplin war.
Die Nummern finden ohne viel Brimborium wie Plattenfirmen oder Managements den Weg ins Radio und in die einschlägigen Musikmagazine, doch umgibt U3000 noch der Glanz des Uneindeutigen, Unvereinnahmbaren. Verwirrend ist das Referenzsystem, das sie aufbauen. Da wird eine MTV-artige, mit dem Smartphone gefilmte Youtube-Serie gelauncht, die die Band auf dem Weg zum Erfolg begleitet – und alles ist Fake, alles ist überzeichnet, egal, ob sich die Band scheinbar größenwahnsinnig im eigenen Nightliner filmen lässt oder in der nächsten Folge einen gigantischen Erfolg in Asien behauptet.
Dass diese Band nach Berlin muss und dort schnell eine ordentliche Fanbase zusammenspielt ist ebenso klar, wie dass sie einen der visionärsten deutschen Produzenten für ihr Album gewinnen kann: Patty „el Pattino“ Majer (Wir sind Helden, Lemonbabies etc. ). Dazu passt genauso gut, dass das erste Musikvideo zum poppigen „Mädchen, tanz mit mir!“ mit einer alten VHS-Kamera in Paris gedreht wird und die Band auf Festivals mit einem lauten, amerikanischen Bandbus à la A-Team vorfährt.
Ist das alles Bluff? Das am 30. Oktober erscheinende Debütalbum mit dem auftrumpfenden Titel „Wir haben Euch belogen“ muss es zeigen. Eines ist aber schon jetzt klar: U3000 legen die Latte sehr hoch.

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