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Firewater

 

Drei Jahre nach dem 2007er Album „The Golden Hour“ und unzählige Reisen quer über den Globus - gerne auch in Länder, in die seine Landsleute sonst Bomben werfen - warf Tod A schließlich seinen persönlichen Anker in Istanbul aus. “The city is fascinating. It's a melting pot - a lot like NYC,” sagt Tod über seine neue Heimatstadt. “And with the revolutions going on all around, I knew we should record here.” Eine Stadt, die wie seine alte Heimat New York als Schmelztiegel der Kulturen gilt und irgendwie geschaffen scheint, als Basis für eine Band wie FIREWATER.

'International Orange!' wurde erneut vom charismatischen FIREWATER-Frontmann Tod A selber produziert und gemischt von Tamir Muskat - seines Zeichens Mitglied der Balkan Beat Box (und ehemals Mitglied des FIREWATER-Clans). Das Album setzt dort an, wo sein Vorgänger aufhörte, und bewegt sich über neue Grenzen in unerforschtes Gelände. Den Balkan-Mash-Up längst hinter sich gelassen, wurde diesmal in Istanbul und Tel Aviv während des arabischen Frühlings 2011 aufgenommen und so ist es nicht verwunderlich, dass dieses Werk den Geist und den Klang einer Welt im Wandel auffängt und den rasenden Puls dieser Zeit hörbar macht. Nicht zuletzt Tods großartige Stimme, die schon Cop Shoot Cop zu einer unvergesslichen Band gemacht hat, prägt die besondere Stimmung auf „International Orange“.

'Internationale Orange!' macht in bester FIREWATER-Tradition den kulturellen und stilistischen Mix einen großen Schritt weiter. Türkische Percussions jagen Gitarren und Bläser, Multikulti-Offbeats untermalen Hymnen voller Frustration, Hoffnung, Bewegung und Veränderung. Die Songs streifen durch verschiedenste Grooves und Rhythmen, wie etwa den türkischen Maqsoum, punjabi Bhangra, jamaikanischen Ska bis hin zum klassischen Punkrock oder Oldschool Mambo. Es scheint kein Zufall, dass Tod A auf den Promotion-Fotos ein Clash-T-Shirt trägt, denn wenigen ist es so glanzvoll und verführerisch gelungen, Stile und Rhythmen aus allen Gegenden der Erde mit zeitgemäßer Rock- und Popmusik zu vermischen. Dass die Stimme des FIREWATER-Frontmann nicht weit von einem Joe Strummer entfernt ist, macht den Vergleich durchaus legitim.

Der Mix von Tamir Muskat zeigt erneut Fingerspitzengefühl und weitreichende Kenntnisse von Bollywood Exzessen der sechziger Jahre, wie etwa des legendären R.D. Burman, bis hin zu den frühen Dub-Experimenten von King Tubby. Und ihm gelingt es, alle diese Sound-Gewürze in einem stimmigen Gesamtwerk zu vermengen und den besonderen Klang eines typischen FIREWATER-Albums zu erzeugen.

Nicht zu vergessen aber sind erneut die Texte von Tod A. Poetisch und spielerisch, subtil und persönlich, voller Bilder und jederzeit angriffslustig und aufrührerisch. Hier wird der 2009er Finanzcrash („Ex-Millionär-Mambo“) genauso kommentiert wie die Frustration einer Generation, mit wenigen Optionen und Möglichkeiten ('A Little Revolution') oder die kleine Auszeiten und persönlichen Ups and Downs wie etwa in „Tropical Depression“. Und es bricht immer der New Yorker Punkrocker durch, der warnt, droht und wenig Ruhe gibt, wie etwa in 'Up From The Underground', das wie ein großes farbiges Grafitti an den Mauern des Kanzleramts erscheint: “You can beat us up, but you can't beat us down.”

Aber trotz schwarzem Humor und zynischen Kommentaren ist „International Orange“ ein positives Werk und zeugt von Aufbruch und dem ewigen Tatendurst des musikalischen Rädelsführers. “I like the fact that, during the so-called 'flotilla crisis' between Turkey and Israel, Turkish and Israeli musicians were collaborating on this record,” sagt Tod A über sein siebtes Werk. “Maybe we're not going to save the world, but it's a step in the right direction. Even when governments can't seem to get along, there can still be hope for the rest of us.”

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